Wissen · Lead-Management

Lead-Scoring: Welche Leads sind wirklich kaufbereit?

Nicht jeder Lead ist gleich viel wert. Mit einem einfachen Punktesystem erkennen Sie, wer reif für ein Gespräch ist – und wer noch Begleitung braucht.

Illustration: Ein Magnet zieht Interessenten an – digitale Lead-Generierung mit leadXpress
Jochen Maier, leadXpress•Lead-Scoring & MQL/SQL•ca. 3 Min. Lesezeit
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026

Was ist Lead-Scoring?

Lead-Scoring auf einen Blick

Leads nach Eignung und Verhalten bewerten – und festlegen, ab wann der Vertrieb übernimmt.

Lead-Scoring ist ein Punktesystem, mit dem Sie jeden Lead nach Eignung und Interesse bewerten. Das Ergebnis ist eine Zahl, die Marketing und Vertrieb dieselbe Antwort auf eine wichtige Frage gibt: Wen rufen wir heute an – und wer bekommt zunächst weitere Informationen?

Ohne Scoring landen alle Kontakte gleichberechtigt in einer Liste. Der Vertrieb ruft dann entweder alle an (und verschwendet Zeit mit Interessenten, die nur einen Download wollten) oder keinen (und verliert genau die Anfragen, die kurz vor dem Kauf stehen).

Scoring ersetzt kein Gespräch. Es hilft Ihnen aber, die knappe Zeit Ihres Teams dorthin zu lenken, wo die Abschlusswahrscheinlichkeit am höchsten ist.

Fit und Verhalten: Wer ist der Lead, was tut er?

Fit-Score (explizit)

Bewertet, wie gut ein Lead zu Ihrer Zielgruppe passt: Branche, Unternehmensgröße, Position, Region. Diese Angaben stammen aus dem Formular oder aus Ihrer Recherche.

Verhaltens-Score (implizit)

Bewertet, wie aktiv der Lead ist: Seitenbesuche, Downloads, E-Mail-Klicks, Webinar-Teilnahme, Rückkehr auf die Preisseite.

Beide Werte zusammen ergeben das Bild: Ein Geschäftsführer aus Ihrer Zielbranche (hoher Fit), der nie wieder auf Ihrer Seite war, ist noch kein heißer Lead. Ein Student, der zehn Artikel liest (hohes Verhalten, niedriger Fit), ebenfalls nicht.

Ein einfaches Scoring-Modell für den Start

Beginnen Sie bewusst klein. Zehn bis fünfzehn Regeln reichen, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Die folgenden Punktwerte sind ein Beispiel, das Sie auf Ihr Geschäft anpassen sollten:

Merkmal / AktionPunkte
Position: Geschäftsführung, Leitung Marketing/Vertrieb+20
Unternehmensgröße passt zur Zielgruppe+15
Branche liegt im Fokus+10
Lead-Magnet heruntergeladen+10
Preis- oder Leistungsseite besucht+15
Mehrere E-Mails geöffnet und geklickt+10
Kontaktformular oder Terminanfrage+30
Freemail-Adresse (z. B. gmx, gmail) bei B2B–10
Keine Aktivität seit 60 Tagen–15

Legen Sie dann Schwellenwerte fest, zum Beispiel: ab 40 Punkten gilt ein Lead als MQL (Marketing Qualified Lead), ab 70 Punkten oder bei einer direkten Anfrage als SQL (Sales Qualified Lead).

Übergabe an den Vertrieb: Klare Regeln statt Bauchgefühl

  • MQL: Interesse ist erkennbar, die Person passt zur Zielgruppe. Sie wird weiter per E-Mail begleitet (Lead-Nurturing).
  • SQL: Der Lead hat ein konkretes Anliegen oder zeigt Kaufsignale. Der Vertrieb meldet sich innerhalb eines vereinbarten Zeitraums, typischerweise innerhalb von ein bis zwei Werktagen.
  • Rückgabe: Stellt der Vertrieb fest, dass der Lead noch nicht reif ist, geht er zurück ins Nurturing – mit kurzer Begründung, damit das Modell lernt.
Praxistipp: Vereinbaren Sie schriftlich, was ein SQL ist und wie schnell der Vertrieb reagiert. Diese Absprache ist wichtiger als jede Software. Mehr dazu: Lead-Generierung vs. Lead-Qualifizierung.

Typische Fehler beim Scoring

  • Zu kompliziert starten. Ein Modell mit 40 Regeln versteht niemand. Beginnen Sie einfach und verfeinern Sie es nach drei Monaten.
  • Nie überprüfen. Vergleichen Sie regelmäßig: Welche Punktzahlen hatten die Leads, die tatsächlich gekauft haben? Passen Sie die Gewichtung daran an.
  • Keine Abwertung. Aktivität verfällt. Ein Besuch vor einem halben Jahr sagt wenig über das heutige Interesse. Punkte sollten mit der Zeit sinken.
  • Marketing und Vertrieb arbeiten getrennt. Ohne gemeinsame Definition wird Scoring zur Zahlenspielerei.

Technisch lässt sich Scoring in den meisten CRM- und Marketing-Automation-Systemen abbilden (siehe CRM-Auswahl). Für den Anfang genügt auch eine Tabelle.

Häufige Fragen

Ab wann lohnt sich Lead-Scoring?
Sobald Sie regelmäßig mehr Leads erhalten, als Ihr Vertrieb sofort bearbeiten kann – als Faustregel ab etwa 20 bis 30 Anfragen pro Monat. Bei sehr wenigen Leads reicht ein persönlicher Blick auf jeden Kontakt.
Was ist der Unterschied zwischen MQL und SQL?
Ein MQL (Marketing Qualified Lead) zeigt Interesse und passt zur Zielgruppe, ist aber noch nicht gesprächsbereit. Ein SQL (Sales Qualified Lead) hat ein konkretes Anliegen und wird vom Vertrieb direkt kontaktiert.
Brauche ich dafür eine teure Software?
Nein. Für den Einstieg genügen eine Tabelle oder die Scoring-Funktion eines einfachen CRM. Wichtiger als das Werkzeug ist, dass Marketing und Vertrieb dieselben Kriterien verwenden.

Lieber umsetzen lassen als selbst bauen?

leadXpress setzt Strategie, Landing Pages, Kampagnen und Automatisierung für Sie um – im kostenlosen Erstgespräch klären wir, wo Sie stehen.

Services ansehen →